Einführung und Hintergrund

Im sich rasch wandelnden 21. Jahrhundert sind Kreativität und Innovation zu unverzichtbaren Kompetenzen für lebenslanges Lernen und eine aktive Teilhabe an der Gesellschaft geworden. Erwachsenenbildungseinrichtungen in ganz Europa stehen zunehmend vor der Herausforderung, diese Fähigkeiten sowohl bei Lehrenden als auch bei Lernenden zu fördern, um den Anforderungen der Wissensgesellschaft und des digitalen Wandels gerecht zu werden (Rat der Europäischen Union, 2021; Tsai, 2012).

Schulleiter, Lehrkräfte und Mitarbeiter in der Erwachsenenbildung – insbesondere diejenigen, die ihre Einrichtungen modernisieren möchten – erkennen, dass die Förderung kreativen Denkens und der Einsatz innovativer Methoden entscheidend sind, um eine Bildung anzubieten, die den heutigen Standards entspricht. Auch erwachsene Lernende, darunter ältere Menschen im Alter von 50 bis 75 Jahren aus benachteiligten Verhältnissen, profitieren erheblich von Möglichkeiten zur Entwicklung von Kreativität und digitaler Kompetenz, die es ihnen ermöglichen, sich an den technologischen und gesellschaftlichen Wandel anzupassen.

Die europäische Politik bekräftigt diese Prioritäten: Erwachsenenbildung wird nicht nur als Mittel zur Verbesserung der Beschäftigungsfähigkeit und der sozialen Eingliederung angesehen, sondern auch als Motor für Kreativität, Innovation und Unternehmertum (Rat der Europäischen Union, 2008; 2021).

Im Rahmen des Projekts „XXI Adults“, das sich auf die Modernisierung der Erwachsenenbildung als Reaktion auf den digitalen und gesellschaftlichen Wandel konzentriert, dient dieses Modul als Brücke zwischen traditionellen pädagogischen Ansätzen und den innovativen Praktiken, die in einem sich rasch wandelnden Umfeld erforderlich sind. In Kontexten, in denen die Erwachsenenbildung Mühe hat, mit dem technologischen und gesellschaftlichen Wandel Schritt zu halten, ist die Förderung der Kreativität bei Lehrenden und Lernenden von zentraler Bedeutung für Anpassungsfähigkeit, Engagement und lebenslanges Lernen.

Die im Rahmen des Projekts „XXI Adults“ durchgeführten Untersuchungen, die auf Umfragen unter erwachsenen Lernenden, Lehrkräften, Führungskräften und Behörden basieren, haben Folgendes aufgezeigt:

  1. Bedürfnisse und Trends der Lernenden
  • Großes Interesse an KI, kreativen Tools und neuen Technologien.
  • Starke Nachfrage nach personalisierten, flexiblen und innovativen Lernformaten.
  1. Kompetenzen der Lehrenden
  • Zunehmende Experimente mit KI und digitalen Tools in der Unterrichtspraxis.
  • Wachsender Einsatz kreativer Technologien (z. B. Canva, Videobearbeitung, Multimedia-Produktion).
  • Bedarf an integrierten Fortbildungen, die die Entwicklung digitaler, kreativer und sozialer Kompetenzen verbinden.
  1. Innovation auf institutioneller und systemischer Ebene
  • Öffentliche Verwaltungen fordern moderne Infrastruktur, strategische Planung und inklusive Innovation.
  • Innovation muss digitale Werkzeuge mit Kreativität, Kommunikation und kritischem Denken in Einklang bringen.
  1. Pädagogische Ansätze
  • Praktische und anwendungsorientierte Aktivitäten fördern Kreativität und Innovation.
  • Hybride und interaktive Lernumgebungen unterstützen innovative Praxis am besten.

Ausgehend von dieser Überlegung führt das Modul die Teilnehmer sowohl in die Grundsätze als auch in die praktische Anwendung von Kreativität und Innovation in der Erwachsenenbildung ein. Es verbindet theoretische Grundlagen mit Beispielen für bewährte Praktiken, die von Projektpartnern aus ganz Europa zusammengetragen wurden, und stellt Strategien, Instrumente und Methoden vor, die das Engagement und die Lernergebnisse in Erwachsenenbildungszentren verbessert haben.

Was die Lernenden lernen werden / Erworbene Fähigkeiten und Kompetenzen

Erwachsene Lernende, insbesondere diejenigen im Alter von 50 bis 75 Jahren und aus benachteiligten Bevölkerungsgruppen mit begrenzten digitalen Kompetenzen, erwerben eine Reihe von Fähigkeiten, die sie befähigen, aktiv an der digitalen Gesellschaft teilzunehmen und ihr Wohlbefinden zu steigern:

  1. Digitale Kompetenz und kreatives Selbstvertrauen – Die Lernenden entwickeln grundlegende digitale Fähigkeiten und überwinden ihre Technikangst. Dies ist von entscheidender Bedeutung, da mangelnde digitale Kompetenz insbesondere bei älteren Menschen zu einem Gefühl der Ausgrenzung und Frustration führen kann (Fernández-Piqueras, González-García, Sanz-Ponce & Calero-Plaza, 2025). Dieser digitale Graben wird durch die Schaffung eines unterstützenden, praxisorientierten Umfelds zum Experimentieren mit Technologie überwunden.
  2. Kreatives Denken und Problemlösungsfähigkeiten – durch das Erlernen von Techniken wie Brainstorming, Mindmapping oder den Einsatz digitaler Medien zur Darstellung von Ideen stärken Erwachsene, insbesondere ältere Menschen, ihre Fähigkeit, persönliche und gesellschaftliche Herausforderungen kreativ und flexibel anzugehen. Wichtig ist, dass diese kreative Selbstermächtigung zu ihrer Selbstwirksamkeit beiträgt und die Lebensqualität verbessern kann – Studien haben gezeigt, dass kreatives Engagement bei älteren Erwachsenen mit einer besseren kognitiven Gesundheit, weniger Isolation und einem Sinn für Sinnhaftigkeit verbunden ist (Ross, Lachmann, Jaarsveld, Riedel-Heller & Rodriguez, 2023).
  3. Design Thinking und Innovationsdenken – durch die Anwendung vereinfachter Design-Thinking-Prozesse – Einfühlen in die Nutzer, Ideenfindung, Prototypenentwicklung und Testen – wenden die Lernenden strukturierte Kreativität auf reale Situationen an und entwickeln so eine praktische und lösungsorientierte Denkweise.
  4. Zusammenarbeit und soziale Kreativität – Die Teilnehmenden entwickeln durch Gruppenprojekte und gegenseitiges Lernen, sowohl vor Ort als auch über barrierefreie digitale Plattformen, Kompetenzen im Bereich der kollaborativen Kreativität. Sie üben sich darin, Ideen auszutauschen, Feedback zu geben und anzunehmen sowie gemeinsam Lösungen zu erarbeiten. Dies steht im Einklang mit dem Schwerpunkt des Europäischen Referenzrahmens für digitale Kompetenz auf der kreativen Nutzung digitaler Technologien sowohl individuell als auch gemeinsam zur Förderung von Innovation (Europäische Kommission, 2022).
  5. Kultureller und persönlicher Ausdruck – Die Lernenden erweitern durch kreative Aktivitäten ihre Fähigkeit zum persönlichen Ausdruck und zum lebenslangen Lernen. Viele Teilnehmer entdecken neue Ausdrucksformen für ihre Kreativität – wie digitales Storytelling, Fotografie oder Kunst –, die es ihnen ermöglichen, ihre Lebenserfahrungen und ihr kulturelles Wissen zu teilen. Experten für Erwachsenenbildung weisen darauf hin, dass das Finden neuer Lernwege und eine positive Einstellung gegenüber Technologie Möglichkeiten für alltägliche Kreativität im späteren Leben eröffnen (Ruuskanen-Parrukoski, 2020).

Theoretische Begründung

Förderung der Kreativität in der Erwachsenenbildung

Kreativität gilt allgemein als eine Schlüsselkompetenz, die Erwachsenen hilft, mit Veränderungen umzugehen (Tsai, 2012). Europäische Behörden betonen, dass Bildung und Ausbildung auf allen Ebenen die kreativen und innovativen Fähigkeiten der Lernenden fördern sollten, was wiederum zu einer nachhaltigen wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung beiträgt (Rat der Europäischen Union, 2008). Forschungsergebnisse zeigen zudem, dass Erwachsenenbildung persönliche Veränderungen bewirken kann – so sind beispielsweise Arbeitnehmer, die sich kontinuierlich weiterbilden, tendenziell kreativer und produktiver, was den Wert von Kreativität für die Beschäftigungsfähigkeit und aktive Bürgerschaft unterstreicht (Tsai, 2012).

Studien zeigen, dass lernerzentrierte, autonome und unterstützende Lernumgebungen die Entwicklung kreativer Fähigkeiten am besten fördern (Tsai, 2012). In der Praxis bedeutet dies, dass Lehrkräfte die Lernenden dazu ermutigen sollten, Ideen zu entwickeln, ohne Kritik zu fürchten, eine offene Problemlösung zu fördern und Raum für Experimente zu schaffen. Zu den wichtigsten Strategien zur Förderung des kreativen Denkens gehören Gruppendiskussionen und Gemeinschaftsprojekte, Brainstorming-Sitzungen, Rollenspielszenarien, kreative Schreibübungen sowie problembasierte Lernaktivitäten.

Solche Methoden setzen auf erfahrungsorientiertes und oft spielerisches Lernen, das laut Forschungsergebnissen mit kreativen Ergebnissen in Verbindung steht. Ebenso wichtig sind die zwischenmenschlichen Qualitäten der Lehrkraft: Es hat sich gezeigt, dass ein freundlicher, ermutigender und begeisterter Unterrichtsstil den kreativen Erfolg der Lernenden maßgeblich beeinflusst (Tsai, 2012).

Eine unterstützende Atmosphäre ist entscheidend. Kreativität entfaltet sich, wenn Lernende sich sicher fühlen, Risiken einzugehen und über den Tellerrand hinauszuschauen, ohne Angst vor Versagen oder Spott zu haben. Erwachsenenbildnern wird empfohlen, ein Klima des Vertrauens zu schaffen, in dem neue Ideen willkommen sind und Fehler als Lernchancen betrachtet werden. Motivation ist in der Tat ein zentraler Faktor: Intrinsisch motivierte Lernende (die von Neugier und persönlichem Interesse angetrieben werden) sind in der Regel kreativer. Daher sollten Erwachsenenbildner danach streben, die Leidenschaften und Lebenserfahrungen der Lernenden zu nutzen, um das Lernen für sie persönlich sinnvoll zu gestalten.

Design Thinking als Methode zur kreativen Problemlösung

Was ist Design Thinking? Design Thinking ist ein menschenzentrierter Ansatz für Innovation und Problemlösung, der im Bildungsbereich zunehmend an Bedeutung gewinnt. Im Bildungskontext legt dieser Ansatz den Schwerpunkt auf Empathie gegenüber Lernenden oder Endnutzern, fördert unkonventionelles Ideengenerieren und schafft ein Gleichgewicht zwischen analytischem und kreativem Denken (Boubaris, 2020). Zu den Schlüsselelementen der Design-Thinking-Denkweise gehören: Empathie, spielerische Zusammenarbeit, kreatives Selbstvertrauen und das Lernen aus Fehlern (Boubaris, 2020).

Der Grund, warum Design Thinking als so vielversprechend angesehen wird, liegt darin, dass es sich auf ein tiefes Verständnis der Bedürfnisse der Lernenden konzentriert. Durch den Einsatz von Design-Thinking-Techniken (wie Empathie-Mapping, Personas und Rapid Prototyping von Lernaktivitäten) können Pädagog*innen die Probleme und Wünsche ihrer erwachsenen Lernenden identifizieren und entsprechend innovativ handeln.

Innovation durch Technologie in der Erwachsenenbildung

Der technologische Fortschritt hat die Erwachsenenbildung tiefgreifend verändert und neue Möglichkeiten eröffnet, wie, wo und was Erwachsene lernen. Digitale Tools und Plattformen gelten weithin als Katalysatoren für Innovationen im Bildungsbereich und ermöglichen flexiblere, personalisierte und ansprechende Lernerfahrungen (Baltacı, 2025). Dies ist besonders wichtig für erwachsene Lernende, die oft Bildung mit Arbeit und privaten Verpflichtungen in Einklang bringen müssen. Online- und digitale Lernlösungen ermöglichen Erwachsenen den Zugang zu Bildung jederzeit und überall, was die Möglichkeiten zur Weiterqualifizierung und Umschulung erhöht.

Ein wesentlicher Aspekt der technologiebasierten Innovation besteht darin, sicherzustellen, dass alle Erwachsenen – einschließlich älterer Lernender – am digitalen Zeitalter teilhaben können. Derzeit ist Europa mit einer erheblichen generationsbedingten digitalen Kluft konfrontiert. Nur jeder vierte ältere Europäer (im Alter von 65 bis 74 Jahren) verfügt über zumindest grundlegende digitale Kompetenzen (UNECE, 2022). Das bedeutet, dass der innovative Einsatz von Technologie in der Erwachsenenbildung mit Bemühungen zur Verbesserung der digitalen Kompetenz älterer Lernender einhergehen muss. Die Europäische Union hat sich ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: Bis 2030 sollen mindestens 80 % der Erwachsenen über grundlegende digitale Kompetenzen verfügen (Joint Research Centre, 2025). Doch im Jahr 2024 erreichen nur etwa 55,6 % der erwachsenen Bevölkerung dieses Niveau.

Um das 80-Prozent-Ziel zu erreichen, sind gezielte Initiativen erforderlich, um diejenigen einzubeziehen, die derzeit zurückbleiben – insbesondere benachteiligte Gruppen wie Erwachsene mit niedrigem Bildungsniveau, Menschen in ländlichen Gebieten und ältere Menschen. In europäischen Strategiepapieren wird die Notwendigkeit maßgeschneiderter Schulungen und Unterstützung für diese Gruppen betont, wobei anerkannt wird, dass ältere Menschen und Personen mit begrenzter digitaler Erfahrung bei den Bemühungen zur Verbesserung der digitalen Kompetenzen besondere Aufmerksamkeit benötigen.

Bei der Einbindung von Technologie in die Erwachsenenbildung geht es nicht nur darum, digitale Kompetenzen zu vermitteln, sondern auch darum, modernste Tools zu nutzen, um das Lernen in allen Fächern zu verbessern. Mehrere EdTech-Trends prägen die Erwachsenenbildung in Europa und darüber hinaus (Baltacı, 2025):

  • Mobiles Lernen – Smartphones haben das mobile Lernen zu einem leistungsstarken Werkzeug gemacht. Erwachsene können nun unterwegs über Apps lernen, die interaktive Kurzeinheiten bereitstellen. Dieser jederzeit und überall mögliche Zugang hilft dabei, das Lernen in den Alltag zu integrieren.
  • Blended Learning – Die Kombination aus Online- und Präsenzunterricht bietet das Beste aus beiden Welten und ermöglicht es Erwachsenen, von der Unterstützung im Klassenzimmer zu profitieren und das Lernen gleichzeitig an ihren Arbeitsalltag anzupassen.
  • Personalisiertes und KI-gestütztes Lernen – KI-basierte Systeme können Inhalte an das Niveau der Lernenden anpassen und Feedback geben. Solche Tools sind wertvoll, um den vielfältigen Bedürfnissen erwachsener Lernender gerecht zu werden.
  • Immersive Technologien (VR/AR) – diese Technologien simulieren reale Szenarien für praktische Übungen. In Pilotprojekten in Europa wurde VR bereits für die berufliche Bildung und kulturelle Bildung eingesetzt.
  • Online-Plattformen und offene Ressourcen – On-Demand-Onlinekursplattformen und offene Bildungsressourcen (OER) erweitern den Zugang zu lebenslangem Lernen.

Technologie bringt zwar viele Vorteile mit sich, doch sind Innovationen in der Erwachsenenbildung am wirksamsten, wenn Technologie inklusiv und durchdacht eingesetzt wird. Pädagogische Fachkräfte benötigen Schulungen und Unterstützung, um neue Instrumente effektiv zu integrieren. Zudem besteht die Gefahr, dass Menschen mit geringen digitalen Kompetenzen weiter ins Hintertreffen geraten. Innovative Programme in Europa verbinden die Einführung von Technologie mit dem Aufbau von Kapazitäten. Der menschliche Faktor bleibt entscheidend – Technologie ist ein Hilfsmittel, aber kein Ersatz für die Motivation, die Anleitung und die soziale Interaktion, die die Erwachsenenbildung vorantreiben (Rat der Europäischen Union, 2021).